Von Cynthia Kidder
Im Jahr 1989 wurden mein Mann und ich mit einem Sohn gesegnet, Jordan, der das Down-Syndrom hat. Zum jetzigen Zeitpunkt ist er sieben Jahre alt. Er hat viel erreicht und wird es auch weiterhin tun. Sein Lernen ist wirklich aufregend, weil es in einem Tempo stattfindet, das mir ermöglicht zuzuschauen und ihn zum weitermachen zu ermutigen.
Gelegentlich beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass ich mit meinem großen Selbstbewusstsein überoptimistisch war, was Jordan’s Persönlichkeit angeht und wie die Aussenwelt ihn wahrnimmt. Ich lag bei beidem falsch. Kürzliche Studien über die Entwicklung des kindlichen Hirns haben bewahrheitet, was viele von uns vermuteten: Die Art unserer Erziehung hat viel mehr mit dem Ergebnis zu tun, als man je glaubte. Ohne rechtzeitige und frühe Förderung wären die aufgrund der verzögerten physischen Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom entstehenden Defizite nicht aufzuholen. Rechtzeitige Förderung in jungem Alter hat vieles wettgemacht. Nach dem heutigen Wissensstand wird es einen ziemlichen Unterschied geben zwischen dem, was unseren Kindern an Fähigkeiten vorausgesagt wurde und dem, was sie tatsächlich alles gelernt haben. Aufregender, als das was Kinder mit Down-Syndrom lernen, ist das, was sie uns lehren.
Einen meiner schönsten Augenblicke erlebte ich mit einer von Jordan’s Freundinnen. Sie war zu Besuch und die Kinder haben mit Fingerfarben gemalt. Also viele Besuche des Badezimmers zum Händewaschen. Unser Badezimmer ist mit Originalbildern aus alten Kalendern dekoriert. Dort hängen über 20 Aufnahmen von Kindern an den Wänden des kleinen Zimmers. Kristina, die nicht das Down-Syndrom hat, bemerkte eine Ähnlichkeit in den Gesichtern von manchen dieser Kinder. Leise sagte sie, „Ich weiß, dass Jordan keine Schwester hat, aber das eine Mädchen hier sieht so aus wie er … sind die beiden verwandt?“ Ich erklärte ihr, dass Jordan und Emily beide blondes Haar haben, blaue Augen und Down-Syndrom und dass das vielleicht der Grund dafür war, dass beide sich ähnlich sehen. Sie fragte was Down-Syndrom sei und ich erklärte ihr, dass das der Grund dafür sei, dass manche Kinder Schwierigkeiten beim Erlernen von Dingen hätten. Sie schloss gleich, dass Jordan das Problem nicht haben könne, weil er schließlich einer der besten Leser in der Vorschulgruppe sei. Schließlich erklärte ich ihr noch, dass das Down-Syndrom manchen Kindern das Sprechen erschwert und sie nickte verstehend. Sie lächelte und sagte, „ Ich weiß. Manche Kinder verstehen Jordan schwer, wenn er spricht, aber ich verstehe jedes Wort, das er sagt.“ Ich antwortete „ Ich weiß, Kleine, weil du mit den Ohren der Geduld zuhörst“.
Es war nicht Kristina, die von Jordan gelehrt wurde, sondern ich. Meine Ängste und Befürchtungen darüber, wie die Welt meinen besonderen Sohn behandeln würde, basierten auf Zynismus und Misstrauen, das Jordan gar nicht registrierte. Indem er es nicht registrierte, verschwand es einfach, war nicht existent. Nicht all seine Interaktionen mit anderen Kindern sind frei von Ärgern, Lächerlichmachen und Manipulation. Aber auch die meiner anderen Söhne sind das nicht. Ich glaube immer noch daran, dass der größte Segen für mich ist, dass ich die Mutter eines Kindes bin, das anders ist und so ist auch mein Leben … anders. Für alle Menschen, die zu einem Kind mit Down-Syndrom Kontakt haben, ist die Welt einen Touch anders gefärbt, als die Welt ohne dieses Kind. Vielleicht verwenden wir deshalb Schwarz-Weiß Aufnahmen und handkolorieren sie, um die wunderschönen Bilder für Beautiful Faces zu machen. Ein Farbfilm wäre gar nicht geeignet, um die besondere Farbgestaltung der Welt unserer Kinder zu erfassen.